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Wearables machen die Welt zum Schlaflabor, doch die Studienmethodik hinkt hinterher

Ein Team der University of Texas at Austin beobachtete über Monate 82 junge Erwachsene mit einem Fitbit am Handgelenk, statt sie eine Nacht lang in einer Klinik zu überwachen. Das Ergebnis: Körperliche Aktivität verlängerte die REM-Latenz. Die größere Verschiebung, so die Forscher, ist die Nutzung von Consumer-Wearables zur Erforschung von Schlaf und Gesundheit außerhalb von Laboren.

GesundheitAnalyseHanna VogtVeröffentlicht: 28. September 20264 Min. LesezeitQuellen 2
Wearables machen die Welt zum Schlaflabor, doch die Studienmethodik hinkt hinterher

Das Forschungsteam der University of Texas at Austin veröffentlichte die Studie in Nature Scientific Reports. Ein Aktivitätstracker am Handgelenk nahm Bewegung und Herzfrequenz auf. Aus diesen Signalen leiteten die Wissenschaftler die Schlafstufen NREM und REM ab. Eine separate Smartphone-App sammelte Selbsterhebungsdaten zum Wohlbefinden. Die Pressemeldung der Universität erschien am 2. April 2024.

Körperliche Aktivität verlängerte die REM-Latenz. Das bedeutet, dass es den Teilnehmern länger dauerte, in den REM-Schlaf zu fallen. Laut der Darstellung der UT Austin könnte dies darauf hindeuten, dass Bewegung hilft, tiefere Schlafstufen zu festigen, bevor das Gehirn in den REM-Schlaf wechselt. Sowohl leichte als auch moderate bis intensive Aktivität waren mit tieferem, erholsamerem Schlaf verbunden. Besserer Schlaf ging seinerseits mit mehr Energie und weniger Stress am folgenden Morgen einher.

„Man kann viel aus Laborstudien lernen, aber es gibt offensichtlich Grenzen, wenn man das Schlafmuster einzelner Teilnehmer nur für eine Nacht beobachtet“, sagte Benjamin Baird, Assistant Professor of Psychology und Mitautor. „Es ist eine ungewohnte, klinische Umgebung, die Stress auslösen kann. Und man kann auch nicht über die Zeit hinweg beobachten. Daher gibt es bei diesem Design immer Fragen zur Generalisierbarkeit.“

David M. Schnyer, Mitautor und Vorsitzender des Departments of Psychology, sah die Geräteauswahl als Kernpunkt. „Wir haben gezeigt, dass ein Standard-Fitbit, den jeder tragen kann, nicht einmal ein teures wissenschaftliches Gerät, tatsächlich empfindlich auf solche Schlafarchitektur-Maßnahmen reagiert und dabei prädiktive Ergebnisse liefert“, sagte er. „Die Welt ist jetzt deine Austernbank. Du kannst dieses Gerät nutzen, um alle möglichen verschiedenen Schlafarchitekturdaten im Feld zu untersuchen, die mit Lebensstil, Stimmung und Stimmungsstörungen zusammenhängen. Das hätte man früher für unmöglich gehalten.“

Von 82 Personen zu Millionen skalieren

Die Stichprobe in Austin war klein, 82 junge Erwachsene, aber sie gehört zu einem viel größeren Trend. In einem Beitrag vom 24. September 2024 beschrieb der ABC-Technikreporter James Purtill, wie Consumer-Schlaftracking Forschern Zugang zu Millionen von Stunden an Daten verschafft. So konnten sie populationsebene Veränderungen nach Erdbeben, COVID-Varianten, Weihnachten und der Uhrzeitumstellung beobachten. Michael Gradisar, Leiter der Wissenschaft bei der schwedischen App Sleep Cycle, sagte gegenüber ABC, Schlaf sei „eine der ersten Sachen, die bei der Gesundheit eines Menschen schiefgeht“ und nannte ihn „den Kanarienvogel in der Mine“.

Die Datenwissenschaftler von Sleep Cycle sahen in New York nächtliches Husten etwa eine Woche vor den bestätigten Omicron-Fällen ansteigen, berichtete Gradisar. Er bezeichnete die Smartphones als Frühwarnsystem. Danny Eckert, Direktor des Adelaide Institute for Sleep Health an der Flinders University, sagte gegenüber ABC, dass Ein-Nacht-Diagnosestudien für Schlafapnoe, der aktuelle Goldstandard, in bis zu der Hälfte der Fälle die Schwere falsch einordnen können. Er verwies dabei auf eine 2022 Studie, an der er mitgearbeitet hatte. „Wir konnten nie genau überwachen, was mit Schlafapnoe zu Hause los ist. Jetzt können wir es jede einzelne Nacht über Wochen, Monate und Jahre tun“, sagte er.

Auch Regulierer sind aktiv geworden. Die Schlafapnoe-Erkennung der Samsung-Smartwatch erhielt Anfang 2024 nach einer achtmonatigen Prüfung die Freigabe des US-Gesundheitsregulators. Apple erhielt die gleiche Genehmigung später in diesem Jahr, berichtete ABC. Beide Funktionen sollen keine Schlafklinik ersetzen.

Die Vorsicht ist nicht verschwunden. Gabriel Pires, Schlaf Forscher in Brasilien, sagte gegenüber ABC, er und seine Kollegen hätten zunächst Papiere veröffentlicht, die davor warnten, dass die neuen Consumer-Technologien nicht gut funktionieren. Die Texas-Studie selbst stellt fest, dass ihre Ergebnisse das bestätigen, was Schlaflabore bereits gezeigt hatten. Die Neuheit liegt in der Umgebung und der Dauer, nicht in der Richtung des Effekts.

Was dem Feld noch fehlt, ist ein gemeinsamer Standard, um Handgelenkdaten in klinische Aussagen umzuwandeln. Ein Fitbit, der empfindlich auf Schlafarchitektur reagiert, ist nicht dasselbe wie ein validiertes Diagnosegerät. Die Studien, die am wichtigsten sind, nämlich die, die die Behandlung ändern, müssen zeigen, dass kontinuierliche Consumer-Daten etwas vorhersagen, auf das eine Klinik reagieren kann. Die Evidenz zeigt für jetzt in eine Richtung: mehr Nächte an Daten, von mehr Menschen, in ihren eigenen Betten.

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Quellen

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  1. 01Move More, Sleep Better, UT Study FindsEN
  2. 02Sleep-tracking devices are wiring the world for the study of sleep. What will we find?EN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Hanna Vogt

Hanna Vogt

Wissenschaft und Gesundheit

Hanna Vogt schreibt für FLASH24 über Wissenschaft und Gesundheit und stützt sich dabei auf Primärstudien, Behördenberichte und Rohdaten statt auf Pressemitteilungen. Bei Zahlen prüft sie Stichprobengrößen, Konfidenzintervalle und ob die zitierte Quelle die Aussage tatsächlich deckt. Für ihre Texte spricht sie mit Studienautorinnen, wartet auf Peer-Review-Fassungen und vergleicht Vorabdrucke mit der finalen Publikation. Dass sie privat Materialphysik verfolgt und mit eigenem Teleskop den Himmel beobachtet, erklärt, warum sie bei Messmethoden und Instrumenten genau nachfragt. Sie publiziert keine Ergebnisse, deren Datengrundlage sie nicht selbst eingesehen hat.

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