Suchtraffic zu Nachrichtenseiten sinkt. Was die Zahlen zeigen
Suchverweise auf Verlage sind weltweit in einem Jahr um ein Drittel gefallen. Manche Medienchefs erwarten laut Reuters Institute einen weiteren Rückgang von 43% in drei Jahren. Die Datenlage ist dünner, als die Schlagzeilen vermuten lassen.

Google-Suchverweise auf Nachrichtenseiten gingen weltweit um 33% zurück. Das zeigen Chartbeat-Daten zu über 2.500 Nachrichtenseiten, die das Reuters Institute for the Study of Journalism im Januar 2026 zitierte. Der Bericht basiert auf Interviews mit 280 Medienführern in 51 Ländern. Diese Führungskräfte rechnen mit einem weiteren Rückgang der Suchverweise um 43% in drei Jahren.
Es handelt sich um Prognosen, keine Ist-Werte. Sie prägen aber eine Debatte, die von Konferenzpodien in Gerichtssäle und Crawler-Konfigurationsdateien gewandert ist.
Was die Traffic-Daten zeigen und was nicht
Die klarsten Zahlen liefern Analysefirmen, die große Kundennetzwerke tracken. Chartbeat, im März 2026 von Axios zitiert, brach seine Daten erstmals nach Verlagsgröße auf. Kleine Verlage mit durchschnittlich 1.000 bis 10.000 täglichen Seitenaufrufen verloren 60% ihres Such-Traffics in zwei Jahren. Mittlere Verlage verloren 47%. Große Verlage mit über 100.000 täglichen Seitenaufrufen verloren 22%.
Diese Aufteilung ist entscheidend. Frühere Chartbeat-Zahlen beim Reuters Institute waren aggregiert. Das verdeckte, dass der Schaden unten konzentriert ist, wo am wenigsten Geld für Alternativen vorhanden ist.
Seitenaufrufe aus der Google-Suche fielen zwischen Dezember 2024 und Dezember 2025 um 34%, ebenfalls laut Chartbeat. Google Discover, die andere wichtige Verweisquelle, verlor im selben Zeitraum 15%. ChatGPT-Verweise wuchsen um mehr als 200%, doch Chatbots machen weniger als 1% aller Verweis-Pageviews aus. Das Chatbot-Wachstum hat den Suchverlust bei Weitem nicht ersetzt.
Ein Befund widerspricht der Annahme, jeder KI-Verweis sei besser als keiner. Nachrichten- und Medienseiten ziehen die höchsten Gesamt-Pageviews aus KI-Chatbots an, haben aber das niedrigste Engagement pro Artikel, so Axios. Leser nutzen Nachrichtenzitate offenbar für schnelle Faktenchecks statt für tiefes Lesen. Utilitaristische Verlage, etwa Gesundheitsratgeber oder Gartentipps, verzeichnen weniger Gesamtverweise, aber mehr Pageviews pro Artikel.
Chartbeat verkauft Analysen an Verlage, und sein Netzwerk besteht überwiegend aus Nachrichten- und Medienseiten. Das gilt es zu bedenken, bevor man eine einzelne Zahl als Markttotal interpretiert.
Google bestreitet die Berichte Dritter
Google widerspricht der Darstellung. In einem Blogpost, den der Guardian im September 2025 zitierte, sagte Liz Reid, Googles Search-Chefin, die KI-Einführung in der Suche treibe „mehr Queries und qualitativ hochwertige Klicks“. Berichte Dritter über dramatische aggregierte Traffic-Rückgänge seien „oft auf fehlerhaften Methoden, Einzelfällen oder Traffic-Änderungen vor der KI-Einführung in der Suche“ basierend.
Sie räumte ein, der Gesamttraffic zu allen Websites sei zwar „relativ stabil“, aber sich verändernde Nutzertrends führten „zu weniger Traffic auf einigen Seiten und mehr auf anderen“.
Die Zahlen einzelner Verlage liegen am scharfen Ende dieser Unterscheidung. Jon Slade, CEO der Financial Times, sagte auf einer Medienkonferenz im Sommer 2025, seine Seite habe einen „ziemlich plötzlichen und anhaltenden“ Rückgang von 25% bis 30% beim Such-Traffic erlebt. DMG Media teilte der Competition and Markets Authority mit, AI Overviews hätten einen Klick-Traffic-Rückgang von bis zu 89% auf seinen Seiten befeuert.
Diese beiden Zahlen beschreiben dasselbe Phänomen mit völlig unterschiedlicher Schwere. Das ist das Problem, wenn man die Geschichte in einer einzigen Zahl zusammenfassen will.
Warum Verlage jetzt über das Abschalten von Google sprechen
Die Debatte hat sich von Einnahmen auf Zugang verschoben. Googles Crawler haben zwei Aufgaben: Sie indexieren Seiten für die Suche und speisen KI-Training sowie KI-Funktionen. Verlage können die Bots blockieren, doch dann verschwindet die Seite auch aus den klassischen Suchergebnissen.
Laut Wall Street Journal, über Nieman Journalism Lab, könnte USA Today Co. Googles Zugang vollständig abschalten, wenn der Suchtraffic weiter sinkt. Reddit überdenkt seinen Vertrag über 60.000.000 US-Dollar pro Jahr mit Google nach Traffic-Rückgängen. Politico und Reuters erwägen beide, den Bot-Zugang zu begrenzen und Registrierungshürden einzuführen. Neil Vogel, CEO von People Inc., sagte dem Journal: „Turning [Google] off and blocking them entirely is 100% on the table“.
USA Today Co. verklagt Google bereits wegen eines mutmaßlichen Ad-Tech-Monopols. CEO Mike Reed sagte zu Adweek: „I wouldn't call it a big decision because we're blocking other crawlers. For those with licensing agreements, they get our content. For those without, we block them.“
Cloudflare drängt auf eine technische Lösung. Das Unternehmen sagt, Bots machten inzwischen mehr als die Hälfte des gesamten Web-Traffics aus. Ab dem 15. September blockiert es Mehrzweck-Crawler, also solche, die sowohl für Suchindexierung als auch für KI-Training scrapen, es sei denn, Seitenbetreiber widersprechen. Chief Strategy Officer Stephanie Cohen sagte zu Adweek: „We want a technical solution that allows you to be discoverable without having to give your content away for free.“
Auch die Regulierung bewegt sich, langsam und uneinheitlich. Ein britisches Regulierungsgericht entschied, dass Google Verlagen erlauben muss, KI-Funktionen abzuwählen, ohne die klassischen Suchergebnisse zu beeinträchtigen. Google testet diese Funktion im Vereinigten Königreich und hat neun Monate Zeit für die Änderung, hat sie aber nicht weltweit ausgerollt. Der Economist hat laut dem Journal „aktiv diskutiert“, aus der KI-Suche auszusteigen. Sein Vizepräsident für generative KI sagte jedoch, ein vollständiger Ausstieg aus Google sei keine Option, weil „traffic can be choppy and declining, but traffic is still traffic“.
Die Frage nach den Ersatzeinnahmen
Googles eigene Antwort auf das Traffic-Problem ist Offerwall, gestartet im Juni 2025 und kostenlos in Google Ad Manager nach Tests mit 1.000 Verlagen über mehr als ein Jahr. Leser können über Mikrozahlungen, Umfragen, das Ansehen von Werbung oder vom Verlag festgelegte Optionen wie Newsletter-Anmeldungen auf Inhalte zugreifen. Google nutzt KI, um zu entscheiden, wann es angezeigt wird. Supertab, ein Drittanbieter, wickelt Zahlungen für kurzfristigen Zugang ab, derzeit in der Beta-Phase.
TechCrunch merkte an, dass Mikrozahlungen wiederholt nicht in Gang gekommen sind, weil die Ökonomie nicht aufgeht und die Reibung pro Artikel für Leser wie Verlage zu hoch ist. Das Twitter-ähnliche Startup Post, unterstützt von a16z, versuchte, Mikrozahlungen für Verlage zum Laufen zu bringen, und stellte wegen mangelnder Resonanz den Betrieb ein.
Googles eigene Zahlen sind bescheiden. Während der Tests sahen Verlage einen durchschnittlichen Umsatzanstieg von 9% nach 1.000.000 Nachrichten auf AdSense für das Ansehen belohnter Werbung, und Ad-Manager-Kunden sahen einen Anstieg von 5% bis 15%. Google bestätigte gegenüber TechCrunch einen durchschnittlichen Anstieg von 9% über den mehr als einjährigen Test. Die einzige geteilte Fallstudie, Indiens Sakal Media Group auf esakal.com, brachte einen Umsatzschub von 20% und bis zu 2.000.000 zusätzliche Impressionen innerhalb von drei Monaten.
Derweil schrumpft der breitere Markt. Die gesamten wöchentlichen Seitenaufrufe aller Verlage in Chartbeats Netzwerk fielen zwischen 2024 und 2025 um 6%. Chartbeat führte das auf Faktoren außerhalb der Suche zurück, darunter ein ruhigerer Wahlzyklus, bezeichnete das aber als Interpretation und nicht als gemessene Ursache.
Was Nic Newman vom Reuters Institute im Januar 2026 sagte, umreißt das Problem weiterhin besser als jeder einzelne Datenpunkt. „It is not clear what comes next“, sagte er. „Publishers fear that AI chatbots are creating a new convenient way of accessing information that could leave news brands, and journalists, out in the cold.“
Quellen
5- 01As AI kills search traffic, Google launches Offerwall to boost publisher revenueEN
- 02Publishers fear AI search summaries and chatbots mean 'end of traffic era'EN
- 03Search traffic has declined so much that some publishers are considering opting out of Google entirelyEN
- 04Search Referral Traffic Down 60% For Small Publishers, Data ShowsEN
- 05'Existential crisis': how Google's shift to AI has upended the online news modelEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
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