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Europas Energierechnung steigt, Fabriken ziehen ab

Playmobil stellt die Figurenproduktion im bayerischen Dietenhofen ein. Rund 350 Arbeitsplätze fallen weg. Die Horst Brandstätter Group nennt hohe Energiepreise als Hauptgrund. Es ist der jüngste Fall eines europäischen Herstellers, der wegen der Stromkosten geht.

KonjunkturErklärtDr. Miriam SeidelVeröffentlicht: 27. September 20264 Min. LesezeitQuellen 3
Europas Energierechnung steigt, Fabriken ziehen ab

Die letzte Schicht in Dietenhofen endete diese Woche. Die Horst Brandstätter Group, Mutterkonzern von Playmobil, bestätigte gegenüber Brussels Signal, dass die Produktion in bestehenden Werken in Malta und Tschechien zusammengelegt wird. Rund 350 Arbeitsplätze am Standort sind betroffen. Die Belegschaft ist bis zur offiziellen Schließung Ende Juni in bezahlter Freistellung.

Das Unternehmen führt stark gestiegene Produktionskosten in Deutschland an. Es nennt explizit hohe Energiepreise, dazu höhere Löhne und Lohnnebenkosten. Gewerkschaften sprechen laut Brussels Signal von einer "Katastrophe" für die Region. Wirtschaftsverbände sehen darin das neueste Beispiel für die Abwanderung eines deutschen Mittelständlers. Der Bericht verweist darauf, dass Strompreise für deutsche Haushalte weltweit an fünfter Stelle liegen und unter den großen Industrienationen an zweiter.

Warum das nicht nur eine deutsche Geschichte ist

Energiekosten sind in diesem Jahr der gemeinsame Nenner europäischer Industriepolitik. Frankreich bat die EU Ende September um sofortige Maßnahmen zur Senkung der Energiepreise, berichtete die Financial Times. Reuters meldete, dass EU-Staaten Änderungen am CO2-Markt unterstützen, um Preisspitzen zu dämpfen. Die Financial Times schrieb zudem, Ineos wolle Europas letzte Acetyls-Anlage in Weltmaßstab stilllegen. Das Unternehmen begründete dies damit, dass Energiepreise in Europa das Zwölffache des US-Niveaus erreichten. Die griechische Industrie beantragte laut tovima.com EU-Hilfe, da die Energiekosten Unternehmen bedrohen.

Diese Meldungen stammen aus der aktuellen Berichtsliste von FLASH24 und dienen nur als Kontext. Sie passen zum Fall Playmobil: Der Druck beschränkt sich nicht auf eine Branche oder ein Land. Der Brussels-Signal-Bericht verknüpft den Trend mit der Energiekrise 2022 und dem schnellen deutschen Ausstieg aus Kernkraft und Kohle. Es fehlen ausreichende Grundlast-Alternativen. Diese Kombination macht energieintensive Prozesse wie das Kunststoff-Spritzgießen besonders verwundbar, selbst mit teilweisen staatlichen Entlastungen.

Auch die Nachfrageseite verändert sich

Verbraucher reagieren auf dieselben Preise. Die Verkäufe von Wohnwärmepumpen stiegen im ersten Quartal 2026 in elf europäischen Ländern um 17 Prozent im Vorjahresvergleich, so die European Heat Pump Association. Frankreich, Deutschland und Polen wuchsen im Schnitt um 25 Prozent. Die EHPA zählte von Januar bis März 2026 rund 575.000 verkaufte Wohneinheiten, nach 494.000 ein Jahr zuvor. Sie führt den Anstieg auf höhere Gas- und Ölpreise zurück, nachdem der Iran am 2. März die Straße von Hormus schloss. Österreich war der Ausreißer nach unten: Die Verkäufe fielen um 30 Prozent, weil staatliche Subventionen fehlten.

"Wenn Ihr Streamingdienst den Preis verdoppelt und dann seine Filme blockiert, finden Sie einen besseren", sagte Paul Kenny, Generaldirektor der EHPA, im Bericht von pv magazine. "Verbraucher haben erkannt, dass Wärmepumpen die Lösung sind, wenn Gas und Öl bei Preis und Versorgung unberechenbar sind." Kenny erklärte, die Europäische Kommission habe in ihrem Energiekrisenplan Mehrwertsteuer- und Steuersenkungen sowie Sozialleasing-Programme für einkommensschwache Haushalte skizziert. Er rief die EU-Regierungen auf, diese Maßnahmen schnell umzusetzen.

Auf der Angebotsseite trägt eine Wette endlich Früchte. Fervo Energy, ein Anbieter von Enhanced Geothermal Systems mit Google im Rücken, erreichte diese Woche laut The Register die erste Stromerzeugung am Standort Cape Station im Beaver County, Utah. Der erste von drei 33-MW-GeoBlocks speist Strom ins Netz ein und soll nächste Woche den kommerziellen Betrieb aufnehmen. Weitere 66 MW sollen bis zum Jahreswechsel folgen. Fervo zufolge könnte der Standort langfristig auf über vier Gigawatt skalieren. Das Unternehmen strebt 900 MW vertraglich gesicherte Kapazität an, mit 100 MW bis zum 1. Januar und einer halben Gigawatt bis 2028.

Das ist amerikanische Kapazität für den amerikanischen Rechenzentrumsbedarf. Eine bayerische Spritzgießlinie hilft es wenig. The Register merkte an, dass Geothermie im Vergleich zur konventionellen Erzeugung weiterhin Hürden birgt. Die Denkfabrik Rhodium schätzte, dass die Technologie bis Ende des Jahrzehnts bis zu 64 Prozent des Rechenzentrumsbedarfs decken könnte. Dafür müssten die Anlagen aber einen Aufpreis von 20 Prozent zahlen.

Für europäische Hersteller, die über ihren Produktionsstandort nachdenken, ist die Rechnung einfach. Playmobil behält Verwaltung und Logistik in Deutschland. Die Figuren selbst entstehen anderswo.

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Quellen

3
  1. 01High energy prices force Playmobil to end production in GermanyEN
  2. 02Heat pump sales rise 17% across Europe in Q1 as energy prices surgeEN
  3. 03Google-backed energy outfit brings 33 MW of 4 GW geothermal potential online in UtahEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Dr. Miriam Seidel

Dr. Miriam Seidel

Wirtschaft, Business und Welt

Dr. Miriam Seidel schreibt für FLASH24 über Wirtschaft, Weltpolitik und Konjunktur und stützt sich dabei auf Geschäftsberichte, Notenbankdaten und Handelsregisterauszüge, statt auf Pressemitteilungen zu warten. Sie prüft Bilanzen Zeile für Zeile, gleicht Kennzahlen mit Vorquartalen ab und rechnet Wachstumsraten selbst nach. Für ihre Analysen spricht sie mit Analysten, verfolgt die Quartalszahlen der Tech-Konzerne und wartet auf die Konjunkturumfragen des Ifo-Instituts. Dass sie privat Bilanzen von Tech-Konzernen liest und Lastenräder testet, passt zu ihrer Deck: Kapitalströme und Stadtverkehr prüft sie mit derselben Genauigkeit. Sie veröffentlicht keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst eingesehen hat.

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