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Rechenzentren: Netzausbau, 1,1-Millionen-Strafe und 15 Minuten im Orbit

Das US-Energieministerium kündigte am 25. September 5,25 Milliarden Dollar für den Netzausbau an. New Jersey verhängte gegen einen Betreiber eine Strafe von 1,1 Millionen Dollar wegen unbefugter Gasgeneratoren. Google bereitet den Start eines Satelliten vor, der nur etwa 15 Minuten am Stück läuft.

TechnologieNachrichtKatrin HoffmannVeröffentlicht: 27. September 20266 Min. LesezeitQuellen 6
Rechenzentren: Netzausbau, 1,1-Millionen-Strafe und 15 Minuten im Orbit

Das Geld fließt in Leitungen, nicht in Kraftwerke. Das US-Energieministerium gab diese Woche bekannt, 5,25 Milliarden Dollar in den Ausbau des Stromnetzes zu investieren. Davon stammen 1,9 Milliarden Dollar aus Bundesmitteln, 3,35 Milliarden Dollar kommen von anderen Geldgebern. The Register meldete die Ankündigung am 25. September. Die Behörde erwartet, dass die Maßnahmen mindestens 23 Gigawatt zusätzliche Kapazität freisetzen, verteilt auf 31 Projekte in 26 Bundesstaaten.

Der Großteil dieser Kapazität entsteht durch die bessere Auslastung bestehender Infrastruktur. Das Programm trägt den kryptischen Namen Speed to Power through Accelerated Reconductoring and other Key Advanced Transmission Technology Upgrades, kurz SPARK. Die Bundesmittel werden über das Programm Grid Resilience and Innovation Partnerships freigegeben. Die Teilnehmer erneuern oder bauen mehr als 1.500 Meilen Übertragungsleitungen neu. Auf 21.000 Meilen des amerikanischen Netzes kommen netzstützende Technologien wie Sensoren, Leistungsflussregler und Analysewerkzeuge zum Einsatz. Einige Projekte in Katastrophengebieten dienen zudem der Waldbrandvorsorge.

Die Behörde betont, das Programm werde die Zuverlässigkeit erhöhen und die Stromkosten für rund 100 Millionen Amerikaner senken.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. The Register wies darauf hin, dass Moody's bereits Anfang September gewarnt hatte: Der Bau von Rechenzentren überhole das Tempo, mit dem das US-Netz neue Kapazitäten bereitstellen kann. Moody's prognostiziert, dass der Stromverbrauch amerikanischer Rechenzentren bis 2030 auf 426 TWh steigt und damit fast den Wert von 2025 verdoppelt. Diese Lücke treibt Betreiber zu kleinen modularen Reaktoren, Geothermie und der Wiederinbetriebnahme alter Kernkraftwerke. Chiphersteller wie Nvidia plädieren für Rechenzentren, die bei Spitzenlast Kapazität ans Netz zurückgeben können.

New Jersey: Rekordstrafe und 62 Generatoren

Wo das Netz nicht rechtzeitig ausreicht, setzen manche Betreiber auf eigene Erzeugungsanlagen. Am 24. September berichtete Ars Technica, New Jersey habe den Betreiber eines der größten geplanten Rechenzentren der Ostküste zu einer Strafe von 1,1 Millionen Dollar verurteilt. Er hatte Gasgeneratoren heimlich installiert und betrieben, im Verstoß gegen das Air Pollution Control Act des Bundesstaates.

Der Fall gegen DataOne begann mit Wärmebildaufnahmen einer Drohne. Eine Untersuchung von The Guardian und Floodlight News im August zeigte laut Ars Technica 45 von 62 Gasgeneratoren im Betrieb am Standort Vineland. Keiner von ihnen besaß die für Generatoren ab 37 Kilowatt Leistung erforderlichen Genehmigungen, obwohl sie mit 1.982 kW liefen, mehr als das 50-Fache der staatlichen Grenze. Das Umweltministerium von New Jersey erklärt, solche Generatoren stoßen Kohlendioxid, Stickoxide, Kohlenmonoxid und andere Verbrennungsschadstoffe aus. Diese können Asthma verschlimmern, Herzinfarkte auslösen und zu vorzeitigen Todesfällen führen.

DEP-Kommissar Ed Potosnak nannte die Maßnahme die bislang größte gegen ein Rechenzentrum in New Jersey. Rechenzentren würden im Bundesstaat nicht ohne Konsequenzen gebaut oder betrieben, sagte er. DataOne hat 45 Tage Zeit, die Genehmigungen zu beantragen oder den Betrieb einzustellen. Während der Bearbeitung des Antrags darf das Unternehmen die Motoren weiterlaufen lassen. DataOne erklärte gegenüber The New York Times, es sei mit der Strafe nicht einverstanden. Man werde die Luftgenehmigungen für die temporären Generatoren beantragen und befinde sich im Übergang zu emissionsarmen Brennstoffzellen.

Die Anwohner überzeugt das nicht. Nichole Gardner von der lokalen Organisation Sustain SJ sagte Ars, die Strafe sei sowohl in der Höhe als auch im Vollzug unzureichend. Der Standort müsse im 45-Tage-Fenster stillgelegt werden. Tiffany Leone-Vespa, die seit 18 Jahren in der Nachbarschaft lebt, fragte die Times, was die Anwohner eingeatmet hätten, seit die Generatoren ohne Genehmigung liefen. Ein weiterer Anwohner, Steve Brown, beschrieb die Situation als „erst fragen, dann verzeihen lassen“. Die Strafe sei für ein Unternehmen mit mehreren Milliarden Dollar Kapital immer noch ein Tropfen auf den heißen Stein, fügte er hinzu.

Der öffentliche Druck hat die Politik des Bundesstaates bereits verändert. Ars Technica berichtet, in New Jersey seien mehr als 80 Rechenzentren geplant oder im Bau. Der Bundesstaat habe kürzlich ein Gesetz verabschiedet, das die Steuervergünstigungen für Rechenzentren beendet und Entwickler von einem Fonds ausschließt, der 250 Millionen Dollar an Anreizen geboten hatte.

Im Orbit, 15 Minuten am Stück

Einige Antworten der Branche auf die Grenzen von Strom und Kühlung verlassen den Planeten. Googles erster Testsatellit für das Projekt Suncatcher soll am 1. Oktober an Bord einer SpaceX Falcon 9 starten, als Teil des Rideshare-Programms Transporter-18. Das berichtete Ars Technica am 24. September. Der Satellit mit dem Namen MVP ist etwa so groß wie ein Kühlschrank und trägt vier von Googles eigenen TPU-Beschleunigern für KI.

Seine Solarmodule liefern laut The New York Times etwa ein Kilowatt Leistung, grob genug für eine Mikrowelle oder einen Haartrockner. Tom's Hardware merkt an, die Hardware sei mit einem einzelnen erdgebundenen Server vergleichbar. Das Raumfahrzeug selbst stammt von der Satellitenbildfirma Planet Labs. Google hatte geplant, 2027 zwei eigene Satelliten zu starten, entschied sich aber, das Vorhaben zu beschleunigen. Dafür integrierte das Unternehmen seine Chips in einen Satelliten, den Planet Labs bereits gebaut hatte.

Die Kühlung ist der schwierige Teil. Ars Technica berichtet, Googles Entwurf nutze eine Schicht formbaren Wärmeleitmaterials. Sie verbindet die Chips mit Wärmerohren aus Aluminium und Kupfer, die die Wärme in einen Radiator leiten, der sie in den Weltraum abstrahlt. Dieses System kann nur in Schüben von etwa 15 Minuten arbeiten. Danach müssen die TPUs abschalten, damit die Radiatoren aufholen. Tom's Hardware nennt dieselbe Grenze für die Laufzeit und merkt an, der Satellit selbst bleibe bis zu sechs Jahre im Orbit, bevor er beim Wiedereintritt verglüht.

Die Strahlung ist das andere Problem. Ars Technica merkt an, sie könne Chips beschädigen oder Bits umkippen und Berechnungen verfälschen. Die TPUs seien dieselbe Hardware, die Google in irdischen Servern nutzt, keine strahlungsgehärteten Bauteile. Startvibrationen und hohe g-Kräfte kommen als weiteres Risiko hinzu. Google will Gemini-Modelle auf dem Satelliten testen und erwartet, dass es Jahre dauert, bis Suncatcher vom Projekt zum Produkt wird. James Manyika, Googles Senior Vice President of Research, sagte der Times, das Unternehmen rechne nicht damit, in den nächsten Jahren etwas Nützliches zu haben. Er verglich das Vorhaben mit Googles Arbeit am fahrerlosen Auto, die etwa 15 Jahre vor einer Auslieferung getestet wurde.

Zurück auf dem Boden bleibt das ältere Problem. Eine Analyse von Christopher Tozzi für Data Center Knowledge argumentierte, die meisten Rechenzentren könnten nicht allein mit erneuerbaren Energien laufen. Wind- und Solarleistung schwanken mit dem Wetter, Geothermie erfordert spezialisierte Anlagen und höhere Vorabinvestitionen, und Speicherung in großem Maßstab ist teuer. Das praktische Ergebnis, schrieb Tozzi, sei, dass traditionelle Energie fast immer nötig ist, um saubere Quellen zu ergänzen oder als Reserve zu dienen. Selbst 20 Prozent des Energiebedarfs einer Anlage aus erneuerbaren Quellen senken die Emissionen um einen entsprechenden Betrag.

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Quellen

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  1. 01Zelensky says Russia has widened attacks to hit Ukraine's data centresEN
  2. 02Google's orbital AI data center test packs four TPUs and 1,000W of solar powerEN
  3. 03Why You Can't Power Your Data Center Only With Renewables - But Should Try AnywayEN
  4. 04Uncle Sam coughs up $1.9B for grid upgrades as datacenters hit a power wallEN
  5. 05New Jersey fines data center $1.1M after drone pics expose 62 gas generatorsEN
  6. 06Google's first Suncatcher orbital data center test launches October 1EN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Katrin Hoffmann

Katrin Hoffmann

KI, Modelle und Technik

Katrin Hoffmann schreibt für FLASH24 über Technik, KI und Modelle sowie Medien und Internet und stützt sich dabei auf Primärquellen wie Herstellerangaben, Studien und Protokolle statt auf Pressemitteilungen. Bei Benchmarks prüft sie Messmethoden, Testumgebungen und Reproduzierbarkeit, bevor sie Zahlen übernimmt. Für ihre Artikel spricht sie mit Entwicklern und Forschern, wartet auf Konferenzankündigungen und vergleicht Versionsstände von Modellen und Standards. Privat betreibt sie Selfhosting und Heimnetze und dokumentiert ihre eigene Infrastruktur, was ihrer Redaktionsarbeit zugutekommt. Sie veröffentlicht keine Zahlen ohne nachvollziehbare Quelle.

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