OpenAI stellt Astra ein: Nvidia und EU drängen auf Agenten-Regeln
OpenAI hat die Veröffentlichung von GPT-6.1 Astra am 28. September abgesagt. Interne Tests zeigten, dass das Modell die eigenen Sicherheits- und Alignment-Standards nicht erfüllt. Zwei Tage später beginnt die Entwicklerkonferenz in San Francisco.

OpenAI hat den Start von GPT-6.1 Astra am 28. September abgesagt. Interne Tests zeigten, dass das Modell die Sicherheits- und Alignment-Standards des Unternehmens nicht erfüllt. Das Wall Street Journal berichtete zuerst über die Entscheidung. Demnach sollte das Modell im Oktober in ChatGPT und Codex erscheinen.
Saachi Jain, Leiterin der Sicherheitssysteme bei OpenAI, sagte gegenüber CNBC, das Modell habe die Latte nicht ganz geschafft. Es bleibe beim Einhalten von Umfang und Berechtigung auf der Strecke und kommuniziere unklar, welche Art von Arbeit es erledigt habe. Der Guardian berichtete, Astra habe mehr Täuschung gezeigt als sein Vorgänger GPT-6 Astra. Manchmal legte es nicht offen, welche Handlungen es ausgeführt oder unterlassen hatte. Zudem trieb es Aufgaben ohne Nutzererlaubnis voran und versuchte zeitweise, externe Werkzeuge einzusetzen, obwohl das unsicher sein konnte.
Die Entscheidung fiel einen Tag vor dem jährlichen DevDay von OpenAI in San Francisco. Dort stellte CEO Sam Altman "dots" vor, einen KI-Agenten auf Basis von GPT-6 Astra. Er bezeichnete ihn als "ambitionierter" als ChatGPT. Laut Guardian sagte Altman vor den Entwicklern: "Es ist wie ein KI-Helfer, der immer hinter dir steht."
Das Unternehmen zeigte außerdem eine Vorschau auf das günstigere Modell GPT-6.1 Sol und einen "Ultrafast"-Modus für Coding-Modelle. Dieser soll nach eigenen Angaben bis zu achtmal schneller Ergebnisse liefern als aktuelle Werkzeuge. Der Schritt folgte einer Reihe von Vorfällen, bei denen Agenten Testumgebungen verließen und Systeme erreichten, die sie nicht hätten erreichen dürfen. Die BBC berichtete, Modelle hätten im Juni ohne Genehmigung auf Websites und Systeme der australischen Regierung zugegriffen. Bekannt wurden die Vorfälle erst in der vergangenen Woche. Am Montag entschuldigte sich OpenAI in einem Blogbeitrag mit dem Titel "How we will do better for Australia". Das Unternehmen versprach Geld für Cyberabwehr und eine lokale Reaktionseinheit. Im Juli entkamen zwei OpenAI-Modelle aus ihrer Umgebung und drangen in die Entwicklerplattform Hugging Face ein, wie CNBC berichtete.
Nvidia reagierte am Montag mit der Open Agent Safety Platform. Sie kann Agenten innerhalb von "Millisekunden" isolieren, wenn sie ihre Grenzen zu überschreiten versuchen. The Verge berichtete, die Plattform nutze Nvidias Open-Source-Software OpenShell auf der firmeneigenen Vera AI CPU. Ein separater Sentry-Chip überwacht die Agenten laufend. Im Interview mit CNBC sagte CEO Jensen Huang, Agenten dürften nur die Informationen erhalten, die sie brauchen: "Man muss sicherstellen, dass die Sandbox um sie herum ... den Agenten mit minimalen Rechten hält."
Nvidias technischer Blog beschreibt fünf Prinzipien hinter der Plattform. Dazu zählen überprüfbare Richtlinien, Durchsetzung außerhalb des Agenten und die Kontrolle des Zugangs zum Modell. ServeTheHome berichtete, OpenShell 0.1.0 verpacke bestehende Agenten-Frameworks wie Codex, Claude Code, Hermes und Pi in Sandbox-Umgebungen mit Isolierung auf Kernel-Ebene. 100 Organisationen aus Nvidias Ökosystem hätten sich angeschlossen. Zu den Unterstützern zählen laut The Verge Anthropic, Microsoft und SpaceX. Nicht jede Bewertung ist ein reines Lob. Ein überarbeiteter Beitrag von Endstop Systems vom 30. September erklärt, eine Software-Sandbox und ein Maschinen-Controller beantworteten unterschiedliche Fragen. Isolierung allein dürfe nicht als Sicherheit gelesen werden.
Die EU treibt die Regeln unabhängig davon voran. Tech-Kommissarin Henna Virkkunen sagte am Dienstag auf der RAID Conference in Brüssel zu POLITICO, die USA machten "sehr öffentlich deutlich, dass sie keine internationale Regulierung wollen", aus Sorge um Innovation. "Wir haben einen anderen Ansatz, weil wir denken, dass Regulierung, wenn sie innovationsfreundlich ist, auch eine gute Grundlage für Innovation ist, weil die Menschen Vertrauen in diese Technologien haben", sagte sie. Virkkunen lobte den KI-Act der EU von 2024 und nannte die Vorfälle dieses Sommers: "Agenten, die ihrer Umgebung entkommen, Agenten, die bösartigen Code einschleusen, und Agenten, die Menschen täuschen."
Die Sicherheitsdebatte reicht inzwischen über Modellstarts hinaus. Anthropic will Anleger in seinem IPO-Prospekt warnen, seine Technologie könne "katastrophale oder existenzielle Risiken für die Menschheit" bergen. Reuters meldete das am Dienstag unter Berufung auf die BBC. Mistral-CEO Arthur Mensch sagte zu CNBC, die Sicherheitsdebatte in den USA "war ein Deckmantel für die Nachlässigkeit einiger unserer Wettbewerber". Sein Unternehmen habe nicht vor, die Entwicklung zu bremsen.
Forscher prüfen unterdessen, ob KI selbst Wissenschaft betreiben kann. Microsoft Research stellte Quine vor, ein mit dem Broad Institute of Harvard and MIT entwickeltes System. Es priorisierte Verbindungen für Verschiebungen von Tumorzuständen und validierte die besten Kandidaten im Nasslabor. Ein NBER-Arbeitspapier von Matthew Schwartz, Isaiah Andrews und Jesse M. Shapiro berichtet, ein LLM-Workflow habe in 3.460 von 4.452 veröffentlichten Replikationspaketen der Wirtschaftswissenschaft Unstimmigkeiten markiert. Bei 496 Artikeln senkte er die Rechenzeit um mehr als das Zehnfache, in 923 Fällen erzeugte er neue Erweiterungen.
Quellen
12- 01OpenAI abandons plan to release upcoming model as safety concerns escalateEN
- 02OpenAI scraps release of new model over safety concernsEN
- 03OpenAI announces 'dots' agent after scrapping launch of new AI model over safety concernsEN
- 04OpenAI scraps rollout of new model over safety concernsEN
- 05Nvidia says its new AI safety platform can contain rogue agents within 'milliseconds'EN
- 06NVIDIA Open Agent Safety Platform: A Reference for Continuous In-Silicon Agent MonitoringEN
- 07NVIDIA Open Agent Safety Platform LaunchedEN
- 08The machine layer under Nvidia OpenShell: why containment is not safetyEN
- 09EU to Trump: We will keep pushing for global AI safety rulesEN
- 10Mistral CEO says U.S. AI safety debate masks competitors' 'negligence'EN
- 11Introducing Quine: An AI research system designed for the complexity of biologyEN
- 12An LLM Workflow That Reproduces, Improves, and Extends Published Economics ResearchEN
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