FTC prüft Microsofts Cloud- und KI-Geschäft, andere Verfahren laufen weiter
Die FTC untersucht, ob Microsoft im Cloud- und KI-Geschäft gegen Wettbewerbsrecht verstoßen hat. Das geht aus Dokumenten hervor, die The Verge am 1. Juni einsehen konnte. Parallel hat Chinas Marktaufsichtsbehörde bei Nvidia einen Kartellrechtsverstoß festgestellt, und in den USA richtet sich eine Sammelklage gegen KI-Labore wegen einer Absprache zur Verlangsamung der Entwicklung.

Die Federal Trade Commission prüft die Cloud- und KI-Geschäfte von Microsoft. The Verge berichtete am 1. Juni über eingesehene Dokumente. Die zivilen Auskunftsverlangen funktionieren wie Vorladungen. Sie gingen an mindestens ein halbes Dutzend Konkurrenten von Microsoft. Sie umfassen mehr als 15 Seiten mit über 15 Fragen, oft mit umfangreichen Unterpunkten.
Es handelt sich nicht um eine Klage. Die Mitarbeiter der FTC müssen noch entscheiden, ob sie eine Beschwerde empfehlen. Die beiden Kommissare der Behörde würden darüber abstimmen.
Die Dokumente fragen nach Geschäftsvereinbarungen, Lizenzregelungen und Produktinteroperabilität. The Verge erhielt diese Details von einer Branchenquelle, die Anonymität erhielt, um über nicht öffentliche Informationen zu sprechen. Das Ziel ist es festzustellen, ob Microsoft unfaire Wettbewerbsmethoden angewandt hat, die gegen den FTC Act verstoßen. Microsoft-Sprecher Alex Haurek sagte zu The Verge, das Unternehmen arbeite „vollumfänglich mit der FTC zusammen und sei überzeugt, dass die eigenen Praktiken den Wettbewerb fördern und zugleich die innovativen Produkte liefern, die Kunden erwarten“. Die FTC reagierte nicht auf eine Kommentar-Anfrage.
Cloud-Preise stehen im Zentrum der Prüfung. Kunden beschwerten sich, oft anonym aus Furcht vor Vergeltung, dass Microsofts Lizenzänderungen von 2019 den Betrieb von Windows-Software auf Infrastruktur außerhalb von Azure erheblich verteuerten. Im Jahr 2023 teilte Google der FTC mit, Microsoft nutze seine Dominanz in anderen Bereichen, um den eigenen Cloud-Produkten einen unverdienten Vorteil zu verschaffen. Microsoft bestreitet diese Darstellung. Haurek verwies auf Google als „ein klares Beispiel“ für Wettbewerb. Das Unternehmen sei im Jahresvergleich um 63 Prozent gewachsen und konkurriere mit AWS, dem größten Cloud-Anbieter.
Einige Fragen zielen darauf ab, die Branche insgesamt zu erfassen: Organigramme, Marketingpläne, Produkt-Roadmaps, Bündelung, Preise, Rabatte und Rentabilität. Andere prüfen die Markteintrittsbarrieren in Sektoren, in denen Microsoft tätig ist. William Kovacic, Rechtsprofessor an der George Washington University und früherer FTC-Vorsitzender, sagte zu The Verge, diese Art der Informationssammlung finde tendenziell früh in einer Untersuchung statt. Die KI-Bezüge könnten darauf hindeuten, dass die Behörde Bündelung als mögliche illegale Kopplung sieht.
Parallel laufen andere Verfahren. Chinas Staatliche Marktaufsichtsbehörde (SAMR) erklärte am 15. September, Nvidia habe gegen das Kartellrecht verstoßen. Der Vorwurf: Das Unternehmen habe die Bedingungen seiner 6,9 Milliarden Dollar schweren Übernahme von Mellanox im Jahr 2020 nicht vollständig erfüllt. Ars Technica berichtete, SAMR habe diese Schlussfolgerung Wochen vor der Bekanntgabe gezogen. Die Erklärung kam heraus, als sich US- und chinesische Beamte auf Handelsgespräche in Madrid vorbereiteten. Nvidia und SAMR reagierten nicht sofort auf Anfragen.
In den USA reichten vier Kläger eine Sammelklage ein. Sie hatten ChatGPT, Claude, Grok oder Gemini abonniert. Sie werfen den Entwicklern vor, gegen Kartellrecht verstoßen zu haben, indem sie sich auf eine Verlangsamung der KI-Entwicklung verständigten. Tom's Hardware berichtete am 21. September unter Berufung auf die Associated Press. Die Klage argumentiert, die Vereinbarung verringere den Wert bezahlter KI-Abonnements. Nick Rowley, leitender Anwalt der Kläger, sagte, KI-Sicherheit dürfe nicht durch „private, eigennützige Vereinbarungen zwischen den mächtigsten gewinnorientierten Technologieunternehmen der Welt“ gesteuert werden. OpenAIs Sam Altman antwortete auf X, das Unternehmen begrüße einen föderalen Rahmen für Frontier-KI-Sicherheit. Es glaube aber nicht, dass es dafür eine Kartellrechtsausnahme oder Gesetzgebung brauche.
Was die Verfahren gemeinsam haben
Jedes Verfahren befindet sich in einer anderen Phase. Keines hat ein endgültiges Haftungsurteil gegen die genannten Unternehmen hervorgebracht. Die Microsoft-Untersuchung bleibt eine Informationssammlung ohne garantierte Beschwerde. Nvidia steht einer vorläufigen Feststellung einer ausländischen Aufsichtsbehörde gegenüber. Die KI-Klage ist eine vorgeschlagene Sammelklage, die noch zertifiziert werden muss. Gemeinsam ist ihnen die Frage, ob die Bedingungen an dominante Produkte, Lizenzierung, Bündelung oder kollektive Zurückhaltung, die Grenze von hartem Wettbewerb zu Ausgrenzung überschreiten.
Kovacics Hinweis zum Zeitpunkt ist wichtig: Die Fragen zeigen, welche Märkte und Taktiken die Behörde für beobachtenswert hält, nicht, zu welchem Ergebnis sie gelangt ist.
Quellen
3- 01Microsoft could be the next Big Tech antitrust targetEN
- 02China rules that Nvidia violated its antitrust lawsEN
- 03Anthropic, OpenAI, SpaceXAI, and Google face antitrust lawsuit for agreeing to slow AI developmentEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
Kommentare
0- Noch keine Kommentare — seien Sie der Erste.