KI-Finanzierung spaltet sich: Megacaps und die Startups, die das Rennen verlieren
Lovable schließt eine Runde bei 6,6 Milliarden Dollar ab, mehr als das Dreifache der Bewertung vom Juli. Gleichzeitig sind die weltweiten Edtech-Investitionen von 16,7 Milliarden Dollar im Jahr 2021 auf unter 3 Milliarden Dollar im Jahr 2025 gefallen.

Die Schere in der KI-Finanzierung öffnet sich. Zwei Datenpunkte, die Monate auseinanderliegen, zeigen, wie das aussieht. Im Dezember berichteten Quellen dem Sender CNBC, dass das schwedische Vibe-Coding-Startup Lovable eine Runde bei einer Bewertung von 6,6 Milliarden Dollar auflegte. Bis April meldete Rest of World, dass die weltweiten Edtech-Investitionen 2025 auf weniger als 3 Milliarden Dollar gefallen waren, nach einem Höchststand von 16,7 Milliarden Dollar im Jahr 2021.
Beide Geschichten handeln von KI. Nur eine davon handelt von Geld, das ankommt.
Lovable: drei Runden in einem Jahr
Lovable wird in der neuen Runde mit 6,6 Milliarden Dollar bewertet, so zwei ungenannte Quellen gegenüber CNBC. Das ist mehr als das Dreifache der 1,8 Milliarden Dollar, die das Unternehmen nach Abschluss der vorherigen Runde im Juli erreichte. Es ist die dritte Runde des Stockholmer Unternehmens im Jahr 2025. Sie krönt ein Jahr, in dem Lovable von einem wiederkehrenden Jahresumsatz (ARR) von 1 Million Dollar auf 200 Millionen Dollar stieg, wie im November berichtet wurde.
Accel beteiligt sich, sagten beide Quellen. Dieses Detail war laut CNBC zuvor nicht berichtet worden. Accel hatte auch die Juli-Runde gestützt, die 200 Millionen Dollar einbrachte und an der Creandum, Klarna-Gründer Sebastian Siemiatkowski, ElevenLabs-Gründer Mati Staniszewski und Synthesia-Gründer Victor Riparbelli beteiligt waren. Khosla Ventures ist ebenfalls in der neuen Runde, so eine der Quellen. Lovable, Accel und Khosla Ventures antworteten vor der Veröffentlichung nicht auf CNBCs Bitten um Stellungnahme.
Forbes hatte im November berichtet, die Runde würde Lovable mit rund 6 Milliarden Dollar bewerten. Das Unternehmen wurde 2023 gegründet, nutzt Modelle von Anbietern wie OpenAI und Anthropic und erklärte im November, dass täglich 100.000 Projekte auf seiner Plattform entstehen. Es eröffnet Büros in Boston und San Francisco.
Lovable ist kein Einzelfall. Anysphere, der Hersteller von Cursor, sammelte im November 2,3 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 29,3 Milliarden Dollar ein, berichtete CNBC. Replit erreichte im September nach einer Runde von 250 Millionen Dollar eine Bewertung von 3 Milliarden Dollar. Vercel schloss eine Runde von 300 Millionen Dollar bei 9,3 Milliarden Dollar ab.
Die andere Seite der Bilanz
Edtech erzählt eine andere Geschichte. Es ist keine Geschichte darüber, dass KI versagt. Es ist eine Geschichte darüber, was passiert, wenn eine Kategorie ihre These verliert.
Die weltweiten Edtech-Investitionen erreichten 2021 einen Höchststand von 16,7 Milliarden Dollar. Damals hielten Lockdowns Millionen Kinder aus den Klassenzimmern fern, so Tracxn, eine Bengaluru-Plattform, die Startup-Finanzierungen verfolgt. Bis 2025 war das Wagniskapital auf unter 3 Milliarden Dollar gefallen. Das meiste Geld stammt laut Tracxn-Daten von US-Firmen. Der Gründerpool schrumpfte mit: 645 Unternehmen wurden 2025 gegründet, gegenüber fast 10.500 im Jahr 2020.
HolonIQ, ein Forschungsunternehmen, das Regierungen und Investoren in Bildungsfragen berät, schrieb in einem Beitrag vom 6. Februar, das Kapital habe sich „von Volumen zu Absicht“ verschoben. Derselbe Beitrag erklärte, Investoren hätten Geld auf KI-gestützte Produkte konzentriert, auf Plattformen für die Arbeitswelt und auf Betriebswerkzeuge für K-12, die Kostendruck, Personalmangel und Lernunterstützung im großen Maßstab adressieren. Rest of World zitiert diese Analyse in seinem Artikel vom 23. April.
Die Fehlermuster waren nicht mysteriös. Hohe Kundenakquisekosten, lange Vertriebszyklen im institutionellen Geschäft und geringe Bindung, weil die Lernergebnisse unklar blieben, so eine Analyse von Loot Drop, einer Datenbank mit mehr als 1.700 Startup-Schließungen. Byju's, einst das wertvollste Bildungs-Startup der Welt mit 22 Milliarden Dollar, brach unter einer Finanzkrise und aggressiven Verkaufstaktiken für teure Kurse zusammen. Das nigerianische Startup Edukoya schloss 2025, mit Verweis auf schwache Profitabilität und nachlassende Investorenunterstützung.
Wo Online-Unterricht wirklich notwendig ist, in Afghanistan, wo Mädchen nicht zur Schule gehen dürfen, oder in Kriegsgebieten, wo Gebäude zerstört sind, füllten gemeinnützige Organisationen wie Khan Academy und lokale Innovatoren die Lücke, nicht risikokapitalfinanzierte Unternehmen.
China zeigt die politische Version desselben Zusammenbruchs. Die „Doppelte Reduktion“ der Regierung im Juli 2021 zerschlug den Online-Bildungssektor für K-12 über Nacht. Yuanfudao, einst mit 15,5 Milliarden Dollar bewertet und neben Byju's eines von nur zwei globalen Edtech-Decacorns, beendete seine Kerntutoring-Dienste und wandte sich KI-Hardware zu, mit dem Start von „Lernmaschinen“. Heute gehört es neben dem Rivalen Zuoyebang zu den sechs größten Anbietern auf Chinas Markt für KI-Lernhardware. Weitere Produkte in diesem Bereich sind KI-gestützte Schreibtischlampen und intelligente Schreibtische.
Loot Drops Fazit, zitiert von Rest of World, ist deutlich: betriebliche Weiterbildung in Unternehmen, Vorbereitung auf Berufszertifizierungen und der Erwerb spezialisierter Fähigkeiten für gut bezahlte Karrieren wirken vielversprechender als allgemeine K-12-Bildung. Die Gewinner, so das Argument, werden branchenspezifische Werkzeuge sein, die sich in bestehende Arbeitsabläufe einfügen, statt Plattformen, die ganze Bildungseinrichtungen ersetzen wollen.
Was die Spaltung tatsächlich misst
Zusammengelesen legen die beiden Geschichten nahe, dass „KI-Startup-Finanzierung“ kein einzelner Markt ist. Lovable verkauft ein Werkzeug, das Entwickler und Nicht-Entwickler ausprobieren, teilen und bezahlen können, ohne einen Beschaffungsausschuss. Edtech verkaufte an Schulbezirke und Ministerien, wo ein Verkauf ein Jahr dauern konnte und eine Verlängerung durch einen Lehrplanwechsel verloren gehen konnte.
Dieser Unterschied zeigt sich in den Zahlen. Lovable kam nach eigener Darstellung in weniger als einem Jahr von 1 Million Dollar auf 200 Millionen Dollar ARR. Edtech fiel nach Tracxn-Zählung in vier Jahren von 16,7 Milliarden Dollar jährlicher Investitionen auf unter 3 Milliarden Dollar.
Er zeigt sich auch darin, wer die Schecks schreibt. Accel stützte Lovable 2025 zweimal und hat Geld in Cursor und in Thinking Machines gesteckt, das KI-Unternehmen des ehemaligen OpenAI-Managers Mira Murati, so CNBC. Das Interesse derselben Firma gilt nicht der Bildung.
Das Risiko, das in keiner Bewertung auftaucht
Es gibt einen dritten Datenpunkt, der in dieses Bild gehört, und er handelt überhaupt nicht von Geld.
Im Juli berichtete The Register, dass MeetingTV, ein Startup für Videokonferenzen und Webinare, Palo Alto Networks wegen eines Bedrohungsberichts verklagt hatte. Der Bericht stammte von Koi Security, einem Unternehmen, das Palo Alto übernommen hat. Der Blog, veröffentlicht am 30. Dezember, brachte MeetingTVs Produkt Zoomcorder mit einer chinesischen Wirtschaftsspionage-Operation namens DarkSpectre in Verbindung. Er erklärte, der Dienst fungiere als „öffentlich sichtbare Front“ für die Operation, verleihe ihr „Glaubwürdigkeit“ und diene als „Monetarisierungskanal“. Die Klage behauptet, Koi habe ein großes Sprachmodell genutzt, um den Bericht zu erstellen. Das System habe Befunde halluziniert, die dann als Tatsache veröffentlicht wurden.
MeetingTV-Gründer und CEO Michael Robertson sagte The Register, Koi habe sein Unternehmen vor der Veröffentlichung nie kontaktiert. Er habe von dem Bericht erst erfahren, als Dienstanbieter begannen, seine Domains zu blockieren und sie als Malware und Command-and-Control-Infrastruktur einzustufen. Anbieter wie Verizon und Palo Alto Networks blockierten das Unternehmen zum Zeitpunkt des Artikels noch, sagte er.
Ein Sprecher von Palo Alto Networks sagte The Register, das Unternehmen kenne die Klage wegen eines Berichts, der von Koi vor der Übernahme veröffentlicht wurde. Er lehnte es ab, konkrete Fragen zu den Vorwürfen zu beantworten. Der Sprecher sagte, das Unternehmen sei der Ansicht, Kois Forschung spiegele sein Engagement wider, Bedrohungen zu identifizieren und offenzulegen. Es erwarte, dass der Streit im Rechtsweg beigelegt wird.
Die Klage behauptet, Kois Theorie eines einzigen Akteurs habe auf einem erfundenen technischen Angelpunkt beruht: einer Browser-Erweiterung namens „Twitter X Video Downloader“, die laut Robertson und der Klageschrift nicht existiert. Der Blog wurde seither stillschweigend bearbeitet, um Verweise auf Zoomcorder zu entfernen, so The Register.
Robertsons Argument, wie von The Register zitiert, dreht sich um faire Verfahren und nicht um KI. Er sagte, der Fall sei wichtig, weil KI-Systeme halluzinieren und ihre Befunde nicht ohne menschliche Prüfung akzeptiert werden sollten. Er listete die Entscheidungen auf, die solche Systeme bald treffen könnten: Steuerstatus, Kreditwürdigkeit, Universitätszulassungen, Immobilienkredite, No-Fly-Listen.
Nichts davon ist eine Finanzierungsgeschichte. Aber es ist die Art von Risiko, die weder in einer ARR-Zahl noch in einer Bewertung auftaucht. Sie sitzt auf demselben Technologie-Stack, für den Investoren derzeit einen Aufpreis zahlen.
Der rote Faden durch alle drei Geschichten ist nicht, dass KI funktioniert oder versagt. Er ist, dass Kapital sich auf Produkte mit kurzen Vertriebszyklen und messbarem Output zubewegt. Es bewegt sich weg von Kategorien, die institutionelle Käufer brauchen, damit diese ihr Verhalten ändern. Und es fließt hinein in eine Technologieschicht, deren Fehler noch als Tatsache veröffentlicht werden können.
Quellen
3- 01Vibe coding startup Lovable's latest funding round values it at $6.6BEN
- 02Edtech's pandemic boom is over as K-12 startup funding cratersEN
- 03Startup sues Palo Alto Networks' Koi Security, saying an AI-hallucinated report falsely linked it to Chinese espionageEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
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