Infektionsstudie ordnet Krebsrisiko neu ein, während Wearable-Hersteller um Finanzierung werben
Infektionen verursachten 2024 weltweit schätzungsweise 2.300.000 neue Krebsfälle, zwölf Prozent des globalen Gesamtwerts. Das geht aus einer am Montag in The Lancet Oncology veröffentlichten Studie der International Agency for Research on Cancer hervor.

Die Zahlen erreichten die Öffentlichkeit am 29. September, als CBC News darüber berichtete. In einer Woche, die ansonsten von Hardware-Versprechen, Pilotstudien und Finanzierungsgesprächen dominiert war, ist dies die aktuellste harte Zahl auf Bevölkerungsebene.
Diese Lücke ist für alle relevant, die den Digital-Health-Bereich beobachten. Wearables messen den Körper immer präziser: Atmung, Herzrhythmus, Schlaf, Bewegung. Was sie laut den vorliegenden Daten noch nicht leisten, ist die Erzeugung von Lastschätzungen, die Screening-Programme oder Impfstoffbudgets verändern. Die Krebsstudie schaffte das mit einer Tabelle, nicht mit einem Sensor.
Was das IARC-Team gezählt hat
Forscher der International Agency for Research on Cancer, einer Abteilung der Weltgesundheitsorganisation, verknüpften 2.300.000 neue Krebsfälle im Jahr 2024 mit infektiösen Erregern. Das entspricht zwölf Prozent aller Neuerkrankungen, also einem von acht. Der größte Einzelbeitrag kam vom Bakterium Helicobacter pylori mit 760.000 Fällen, überwiegend in Ostasien. Das humane Papillomavirus folgte mit fast 750.000 Fällen und hohen Raten in Subsahara-Afrika. Auch Hepatitis B und Hepatitis C standen in Zusammenhang mit einer erheblichen Zahl von Leberkrebsfällen.
Zum ersten Mal erweiterte das Team seine Liste um 16 weitere Krebsarten. Darunter die Verbindung von HIV zu Gebärmutterhalskrebs und das Merkelzell-Polyomavirus, ein seltenes Virus, das mit einer aggressiven Hautkrebsart zusammenhängt. Das Epstein-Barr-Virus wurde 2024 mit etwa 260.000 Fällen in Verbindung gebracht, darunter Nasopharynxkarzinome, bestimmte Magenkarzinome und das Hodgkin-Lymphom. "Das ist eine beträchtliche Krebslast durch das Epstein-Barr-Virus, die in der Vergangenheit nicht gezählt wurde, aber jetzt anerkannt ist", sagte Gary Clifford, Krebsepidemiologe und Mitautor der Studie, laut CBC. Er ist in Lyon, Frankreich, tätig.
"Wir haben noch viel Arbeit vor uns, um Dinge umzusetzen, von denen wir wissen, dass sie funktionieren. Wir kennen sie seit Langem, aber sie haben noch nicht alle Bevölkerungsgruppen der Welt erreicht", sagte Clifford.
Die regionale Verteilung ist deutlich. Hochentwickelte Länder mit etablierten Screening- und Impfprogrammen schneiden viel besser ab als Länder mit geringeren und mittleren Ressourcen, in denen der Zugang zu Prävention und Behandlung begrenzt ist. In Nordamerika ist die Last krebserregender Infektionen geringer, doch H. pylori und HPV bleiben die häufigsten Quellen. In Kanada schätzte eine Studie aus dem Jahr 2019 den Anteil der auf Infektionen zurückzuführenden Krebserkrankungen auf vier Prozent. Die Zahl stammt von der Epidemiologin Karena Volesky, damals an der McGill University.
Unterdessen kommen die Sensor-Arbeiten weiter
Am selben Tag veröffentlichte die Northwestern University eine Studie mit einer viel kleineren Stichprobe und einer engeren Aussage. Neurowissenschaftler fanden heraus, dass die Reaktionsgeschwindigkeit beim Ausatmen im Durchschnitt um 41 Millisekunden schneller ist als beim Einatmen, also um 1/25 Sekunde. Während der Atempausen war die Reaktionsgeschwindigkeit um 21 Millisekunden schneller als beim Einatmen.
Die Arbeit, veröffentlicht in der Zeitschrift iScience, ist das erste Experiment, das die Reaktionsgeschwindigkeit in allen Phasen der Atmung misst, einschließlich der Pausen. 35 Erwachsene im Alter von 18 bis 33 Jahren absolvierten eine psychomotorische Vigilanzaufgabe. Sie drückten die Leertaste, wenn ein rotes Quadrat gelb wurde, während sie ein Gerät unter den Nasenlöchern trugen, das den Luftstrom maß. Jeder Teilnehmer absolvierte die Aufgabe zweimal: einmal vor und einmal nach einem Nickerchen oder acht Stunden Schlaf im Labor.
"Diese Studie dokumentiert eine wichtige Verbindung zwischen der Atmung und den Hirnsystemen, die auf Umweltreize reagieren", sagte Ken Paller, der leitende Autor der Studie und Psychologieprofessor an der Northwestern. "Wir wissen noch nicht genau, wie sie verbunden sind, aber wir vermuten neurophysiologische Effizienz. Andere Studien haben gezeigt, dass verschiedene Hirnoszillationen mit den Rhythmen der eigenen Atmung synchronisiert sind."
Das ist vorsichtige Sprache, und sie sollte auch so gelesen werden. Ein Effekt von 41 Millisekunden bei 35 jungen Erwachsenen ist ein Laborergebnis, kein klinisches Werkzeug. Pallers Labor arbeitet jetzt an verwandter Forschung, die von den National Institutes of Health finanziert wird. Die Erstautorin Erika M. Yamazaki leitet das Projekt, das sich auf Schlafapnoe konzentriert. Die Forscher weisen darauf hin, dass diese Erkrankung oft unterdiagnostiziert und unzureichend behandelt wird.
Das Geld und das Leitlinienproblem
Abseits des Labors produziert die kommerzielle Seite von Digital Health weiterhin Schlagzeilen ohne passende Belege. Die jüngste Berichterstattung im Dossier umfasst eine Partnerschaft von Google Health und Weight Watchers, einen Vertriebsvertrag in Vietnam für ein tragbares EKG-System von Huinno und den Start einer Smartwatch von Sekyo mit einem KI-Gesundheitssensor. Nichts davon ist eine Studie, und nichts davon ersetzt eine.
Es gibt auch ein kulturelles Problem in der Forschung selbst. Eine in Information, Communication and Society veröffentlichte Studie, über die das Nieman Journalism Lab am 28. September berichtete, befragte 1.138 Kommunikationswissenschaftler aus 77 Ländern und führte vier Fokusgruppen durch. Fast 70 Prozent hatten bereits generative KI für mindestens eine Forschungsaufgabe genutzt, während die meisten den KI-Einsatz für die meisten Forschungsaufgaben als unangemessen ansahen. Die Autoren beschreiben die daraus entstehende Spannung als Transparenzparadoxon und nennen den Effekt "KI-Scham".
Dieser Befund betrifft Wearables nicht direkt, aber er beschreibt dieselbe Bruchlinie: Werkzeuge kommen schneller als die Leitlinien, um sie zu beurteilen. Die Krebsstudie brauchte Jahre epidemiologischer Vorarbeit, um eine Zahl zu liefern, auf die politische Entscheider reagieren können. Die Wearable-Arbeiten erscheinen wöchentlich und messen meist gesunde Freiwillige für ein paar Stunden. Beide sind nützlich. Nur eine ist bereit, ein Gesundheitssystem zu prägen.
Quellen
4- 011 in 8 cancer cases worldwide are caused by infections, study findsEN
- 02Ready, set, exhale: Study links respiration and cognitionEN
- 03A lack of professional AI guidelines leads to feelings of "AI shame," a new study findsEN
- 04Studlark — AI-Powered Group Study SaaSEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
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