Zum Inhalt
WeltzeitEU--:--UK--:--USA--:--CN--:--PLDEFRIT中文EN

portal über KI und Technologieereignisse · analysen · interviews · technischer hintergrund

Suche
LIVE
›

Hyundais Streik in Ulsan und der ungleichmäßige Weg der Humanoiden in die Fabriken

Tausende Hyundai-Mitarbeiter legten im Juli 2026 im Werk Ulsan die Arbeit nieder. 15 Verhandlungsrunden über den Einsatz humanoider Roboter waren zuvor gescheitert. Laut Ars Technica ist es der erste Fabrikstillstand, der sich explizit gegen Humanoide richtet.

TechnologieAnalyseLena BrandtVeröffentlicht: 27. September 20264 Min. LesezeitQuellen 3
Hyundais Streik in Ulsan und der ungleichmäßige Weg der Humanoiden in die Fabriken

Der Teilstreik dauerte vom 13. bis 15. Juli. In dem von Ars Technica als größtes Automobilwerk der Welt bezeichneten Werk endeten Tag- und Nachtschicht jeweils zwei Stunden früher. Die Korea Times berichtete, die Arbeiter planten vom 20. bis 22. Juli vierstündige Ausstände.

Auslöser war Atlas, der zweibeinige Roboter von Boston Dynamics. Er ist mehr als 6 Fuß hoch und hebt mehr als 100 Pfund. Die Hyundai Motor Group präsentierte die neueste Version Anfang 2026. Boston Dynamics wird bald eine hundertprozentige Tochter von Hyundai. Laut The Korea Herald will Hyundai mehr als 25.000 Atlas-Roboter in seinen Hyundai- und Kia-Werken einsetzen.

Die Ökonomie hinter dem Ausstand

Jeder Atlas kostet schätzungsweise 130.000 Dollar. Die Samsung-Securities-Analystin Esther Yim sagte in einem Bloomberg-Interview, das Ars Technica zitiert, er könne sich innerhalb von etwa zwei Betriebsjahren amortisieren. Fällt der Preis auf 100.000 Dollar, könnte der Betriebskostenanteil nach Einschätzung von James Hong von Macquarie Securities Korea unter den US-Bundesmindestlohn von 7,25 Dollar sinken. Das würde das Gehalt eines typischen Autobauers deutlich unterbieten.

Auf diese Rechnung reagiert die Gewerkschaft Hyundai Motor, die mehr als 39.000 südkoreanische Arbeiter vertritt. Das Wall Street Journal berichtete, die Gewerkschaft wolle den Stundenlohn in der Produktion in ein Festgehalt umwandeln, um einen automatisierungsbedingten Rückgang der Arbeitsstunden abzufedern. Außerdem fordert sie ein Rentenalter von 65 statt 60 und höhere Boni.

Die Forderungen der Gewerkschaft sind defensiv, nicht maschinenstürmerisch. Sie gehen von weniger Stunden aus, nicht vom Wegfall der Jobs. Die Entgeltstruktur soll diesen Wandel überstehen.

Zuerst Georgia, und Georgia ist nicht gewerkschaftlich organisiert

Hyundai will Atlas zuerst bei Metaplant America einsetzen, seinem EV-Werk bei Savannah in Georgia, ab 2028. Ars Technica merkt an, dass die US-Arbeiter dort nicht gewerkschaftlich organisiert sind. Die United Auto Workers, die etwa 400.000 Autobauer in den USA, Kanada und Puerto Rico vertritt, versucht seit Längerem, den Standort zu organisieren.

Metaplant America ist bereits das am stärksten automatisierte Automobilwerk in den Vereinigten Staaten. IEEE Spectrum zählte mehr als 850 Roboter, die Teile entladen, Stahl stanzen, Rahmen montieren und Türen einbauen. Dazu kommen 300 fahrerlose Transportfahrzeuge, die Teile zwischen den Stationen bewegen. Auch der vierbeinige Spot von Boston Dynamics ist vor Ort. Bei einem Besuch im Juli 2026 beschrieb ein Reporter des Atlanta Journal-Constitution, wie der Roboter seine sensorbestückte Nase in die Schweißerei steckt, um Defekte aufzuspüren.

Atlas würde mit dem Sortieren und Ordnen von Teilen beginnen. Jerald Roach, ein Fertigungsleiter bei Metaplant, sagte dem AJC, die Humanoiden würden die menschliche Belegschaft nicht gefährden. Menschliche Hände mit ihrem Tastsinn seien für weiche Teile wie Schläuche, Kabel, Teppiche und Verkleidungen weiterhin nötig. Hyundai hat sich in seinem Wirtschaftsförderungsvertrag mit Georgia zu 8.100 Vollzeitkräften im Werk bis 2031 verpflichtet. Das kam mit einem Förderpaket im Wert von schätzungsweise 2,1 Milliarden Dollar. Der AJC stellte fest, dass die Anlage Ende 2025 bereits mehr als 3.800 Menschen beschäftigte.

Ein Muster, kein Einzelfall

Hyundai ist nicht allein. Tesla entwickelt Optimus für die eigenen EV-Werke, und BMW hat Pilotversuche mit Humanoiden von Figure AI im Werk Spartanburg in South Carolina durchgeführt. Auch chinesische Hersteller wie BYD testen Humanoide. Die International Federation of Robotics zählte bis 2021 mehr als eine Million Roboter in Automobilwerken weltweit, ein Drittel aller Industrieroboter.

Die UAW kritisierte kürzlich General Motors dafür, rund 50 neue Roboterarme im Flaggschiff-EV-Werk in Detroit installiert zu haben. Zuvor waren mehr als 1.300 Arbeiter entlassen worden, angeblich als vorübergehende Maßnahme. Auf dem UAW-Verfassungskonvent in Detroit im Juni 2026 warnte Präsident Shawn Fain vor der Stoßrichtung, wie der Bericht von Ars Technica festhält.

Die Lücke zwischen Demonstration und Einsatz bleibt groß. In Peking liefen die zweiten World Humanoid Robot Games vom 22. bis 26. August. Sie brachten sprintende Roboter hervor, die Usain Bolts 100-Meter-Marke unterboten. Daneben gab es Maschinen, die in Absperrungen krachten, weil sie nicht bremsen konnten, in Funkenregen in der Taille brachen oder Feuer fingen. Der Purdue-Doktorand Dipam Patel sagte Ars Technica, die Läufer seien für eine einzige Aufgabe konstruiert und könnten nach der Ziellinie nicht einmal langsamer werden. Viele Konkurrenten würden noch ferngesteuert.

Der Stillstand von Hyundai in Ulsan erinnert daran, dass der Zeitplan für humanoide Fabrikarbeit in der Werkhalle ausgehandelt wird, nicht nur in Robotiklabors.

Kommentare 0

Quellen

3
  1. 01Fear of humanoid robots spurs human workers to strike at Hyundai auto factoryEN
  2. 02World humanoid robot games show runners breaking records, bursting into flamesEN
  3. 03Google Gemini Is Taking Control of Humanoid Robots on Auto Factory FloorsEN

Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.

Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.

Lena Brandt

Lena Brandt

KI, Modelle und Technik

Lena Brandt schreibt für FLASH24 über Technik, KI und Modelle sowie Medien und Internet und stützt sich dabei auf Herstellerangaben, Studien und öffentlich zugängliche Datensätze, statt Pressemitteilungen ungeprüft zu übernehmen. Bei Modellvergleichen kontrolliert sie Benchmark-Werte, Trainingsdaten und Versionsnummern und rechnet Angaben zu Rechenleistung und Kosten selbst nach. Sie spricht mit Entwicklern und Forschern, wartet auf angekündigte Updates und vergleicht Releases, bevor sie eine Einschätzung abgibt. Privat beschäftigt sie sich mit 3D-Druck, alten Rechnern und der Frage, wie Modelle aus Internetmüll lernen – Themen, die regelmäßig in ihre Texte einfließen. Sie publiziert keine Zahlen, deren Quelle sie nicht selbst überprüfen konnte.

Redaktion →

Kommentare

0
  1. Noch keine Kommentare — seien Sie der Erste.

Kommentar schreiben

Kommentare sind öffentlich sichtbar. Wir veröffentlichen keine Beleidigungen, Werbung oder Spam.