Brüssel leitet Vertragsverletzungsverfahren gegen 18 Staaten wegen Energiegemeinnutzung ein
Die Europäische Kommission hat am 28. September 18 EU-Mitgliedstaaten förmliche Mängelrügen geschickt. Grund: Sie haben die vollständige Umsetzung der Bestimmungen zur Energiegemeinnutzung im Rahmen der Strommarktreform nicht gemeldet, wie pv magazine berichtete.

Die Frist endete am 17. Juli 2026. Achtzehn Länder haben sie verpasst. Laut pv magazine betreffen die Schreiben der Kommission das Nicht-Melden der Umsetzung der Richtlinie (EU) 2024/1711. Es geht nicht um eine Feststellung, ob die nationalen Regeln konform sind.
Die Liste, die pv magazine am 28. September veröffentlichte, umfasst Belgien, Estland, Irland, Griechenland, Spanien, Frankreich, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Ungarn, Malta, die Niederlande, Polen, Rumänien, Slowenien, Finnland und Schweden. Neun Mitgliedstaaten waren nicht enthalten: Bulgarien, Tschechien, Dänemark, Deutschland, Italien, Zypern, Österreich, Portugal und die Slowakei. Die Ankündigung der Kommission gibt nicht an, ob alle neun die Richtlinie vollständig umgesetzt haben.
Unter dem neuen Artikel 15a können Haushalte, kleine und mittlere Unternehmen sowie öffentliche Stellen selbst erzeugten oder gespeicherten erneuerbaren Strom mit anderen Kunden teilen. Dies gilt innerhalb derselben Netzbereitstellungszone oder in einem kleineren Gebiet, wie es jeder Mitgliedstaat bestimmt. Der geteilte Strom wird vom gemessenen Verbrauch der Teilnehmer abgezogen, wenn die Versorger den Energieanteil ihrer Rechnungen berechnen. Teilnehmer können einen Dritten als Organisator der Energiegemeinnutzung benennen.
Die nationalen Ansätze variieren stark. Das deutsche Regime zur Energiegemeinnutzung nach § 42c des Energiewirtschaftsgesetzes startete am 1. Juni. pv magazine merkt an, dass Gemeinschaftsenergiegruppen die Regeln als halbherzig kritisieren. Spanien und Frankreich, beide unter den 18, hatten bereits Regime für kollektiven Eigenverbrauch: Spanien verlängerte die maximale Distanz für geteilten Eigenverbrauch im März auf 5 km, und Frankreich überarbeitete die Regeln für die Energiezuteilung im Juni.
Die 18 Länder haben zwei Monate Zeit, um zu antworten, die Umsetzung abzuschließen und die Kommission zu informieren. Wenn die Kommission nicht zufrieden ist, kann sie eine begründete Stellungnahme veröffentlichen. Das ist die zweite Stufe des Vertragsverletzungsverfahrens, die vor dem Gerichtshof der Europäischen Union enden kann. Am selben Tag schickte die Kommission Schreiben an 26 Mitgliedstaaten wegen der überarbeiteten Wasserstoff- und Entkarbonisierungsgasrichtlinie. Die Umsetzungsfrist am 5. August hat nur Italien eingehalten.
Nachfrageseite bekommt Aufmerksamkeit, Angebotsseite bekommt Geld
Die Vertragsverletzungsverfahren fallen in eine Woche, in der die europäische Energie- und Industriepolitik in mehrere Richtungen gleichzeitig gezogen wird. Am selben Tag zählte die wöchentliche Finanzierungsübersicht von tech.eu mehr als 65 europäische Tech-Finanzierungsgeschäfte im Wert von über 2.000.000.000 €. Robotik (508.300.000 €), künstliche Intelligenz (406.600.000 €) und Healthtech (305.800.000 €) führten die Branchen an. Bei den Ländern lagen Portugal (510.900.000 €), die Niederlande (435.900.000 €) und das Vereinigte Königreich (273.900.000 €) vorn.
Die Halbleiternachfrage ist die andere Hälfte desselben Problems. Tom's Hardware berichtete am 25. September, dass ASML in Europa im Jahr 2026 nichts verkauft hat. Europa machte 0% des Umsatzes des Lithografieanbieters in den ersten zwei Quartalen aus. „Wir verkaufen absolut nichts in Europa“, sagte Frank Heemskerk, stellvertretender Vorstandsvorsitzender für öffentliche Angelegenheiten bei ASML, auf einem Panel bei De Balie. Europa war 2025 1% des Umsatzes, 2024 5%, 2023 4% und 2022 2%, laut den Investor-Präsentationen des Unternehmens. Heemskerk forderte die EU-Behörden auf, die Nachfrage nach in Europa hergestellten Chips zu bündeln und zu garantieren, statt nur den Fab-Bau zu subventionieren.
Auf der Verbraucherseite meldete der European Heat Pump Association, dass die Verkaufszahlen von Wärmepumpen für Haushalte im ersten Halbjahr 2026 um 11% auf rund 1.163.000 Einheiten in zwölf Ländern stiegen. Ein Jahr zuvor waren es 1.048.000. Der EHPA führte den Anstieg auf höhere Öl- und Gaspreise während der Straße-von-Hormus-Krise und auf die Pläne der Kommission hin, Regierungen dazu zu bewegen, Stromsteuern zu senken. „Je schneller Strom zur erschwinglichsten Lösung wird, desto schneller werden wir sauber“, sagte EHPA-Generaldirektor Paul Kenny. Er forderte, Steuern auf Strom abzuschaffen und auf fossile Brennstoffe zu verlagern.
Auch die Speicherökonomie bewegt sich. Der italienische Energieregulator Arera hat die Obergrenze für das MACSE-Auktionsprämien auf 27.000 € pro qualifizierter MWh pro Jahr angehoben. Im Juli waren 22.000 € vorgeschlagen worden. Das geht aus der Resolution 332/2026 vom 24. September hervor, wie pv magazine Italy berichtete. Die Erhöhung ergibt sich hauptsächlich aus steigenden Benchmark-Investitionskosten von 125.000 € auf 150.500 €/MWh und einem WACC von 8,2%. Die Obergrenze liegt 27% unter der ersten Auktion. Für eine Referenzanlage von 75 MW / 600 MWh beträgt die Vor-Auktion-Garantie allein 2.700 € pro qualifizierter MWh, zahlbar in bar bis zum 20. Oktober.
Keines davon löst die zugrunde liegende Frage, die die Schreiben der Kommission aufwerfen. Eine Richtlinie umzusetzen ist ein rechtlicher Schritt. Das Netz, die Tarife und die Nachfrage, die das Teilen lohnenswert machen, aufzubauen, ist ein anderer. Die zwei Monate, die jetzt in 18 Hauptstädten laufen, sind nur der erste.
Quellen
5- 01EU opens infringement cases against 18 states over energy-sharing rulesEN
- 02European tech weekly recap: Over €2B invested across 65+ dealsEN
- 03ASML says it sold 'absolutely nothing' in Europe in 2026EN
- 04European residential heat pump sales up 11% in H1EN
- 05Italy raises Macse energy storage auction premium cap from €22,000 to €27,000/MWhEN
Alle Zahlen und Zitate in diesem Text stammen aus den unten genannten Quellen.
Die Materialien wurden vom Redaktionsteam mit Unterstützung von KI erstellt.
Kommentare
0- Noch keine Kommentare — seien Sie der Erste.